Der Klügere sorgt vor

Keine Frage: Fehltage und die verminderte Produktivität infolge von Krankheit der Mitarbeiter kosten Unternehmen eine Menge Geld. Die Gesundheitserhaltung der Mitarbeiter wird noch wichtiger, wenn man sich die demografische Entwicklung und ein auf das 67. Lebensjahr verschobenes Renteneintrittsalter vor Augen führt. Wie hoch die durch Erkrankungen der Beschäftigten entstehenden Kosten tatsächlich ausfallen, ist allerdings nicht jedem bekannt.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) beziffert die Kosten, die Unternehmen durch Krankheit ihrer Beschäftigten entstehen, auf einen Wert von 35 Milliarden Euro pro Jahr.

Es dominieren Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. Rückenschmerzen sind dabei für 7,1 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage verantwortlich und damit mit Abstand die häufigste Einzeldiagnose. Nicht unbedenklich sind auch psychische Erkrankungen, die sogar zunehmend zu beklagen sind. Mehr denn je gilt es also, Bedingungen am Arbeitsplatz zu schaffen, die das Gesundbleiben der Belegschaft in den Mittelpunkt stellen.

Wie es in deutschen Unternehmen tatsächlich aussieht, hat der bso Verband Büro-, Sitz- und Objektmöbel herausfinden wollen und dazu Unternehmen aller Größenklassen und Branchen, einschließlich öffentlicher Unternehmen und Behörden, zur Gestaltung ihrer Büroarbeitsplätze und der Bedeutung der Gesundheitsprävention in ihrem Betrieb befragt. Bei der Auswertung der Ergebnisse ist auffällig, dass Großunternehmen der Gesundheitsvorsorge einen deutlich höheren Stellenwert beimessen, als KMUs es tun. Auch stehen Mitarbeitern in großen Betrieben mehr und in der Regel auch vielfältigere Angebote zur Gesundheitsvorsorge zur Verfügung. Allerdings relativieren sich diese Unterschiede wenn man berücksichtigt, dass in den KMUs häufig keine oder personell nur dünn besetzte Fachabteilungen vorhanden sind, die für die Organisation entsprechender Angebote zuständig sind.

Hinsichtlich der Erwartungen an die zukünftige Arbeitsweise zeigen sich kaum Unterschiede zwischen verschieden großen Unternehmen. Nur wenige der befragten Unternehmen erwarten eine „Revolution“, aber fast alle gehen davon aus, dass sich die Anforderungen an ihre Beschäftigten verändern werden durch mehr Teamarbeit, größere Eigenverantwortung und einen größeren Bedarf an Kreativität. Wenn es aber darum geht, ihre Büros an die neuen Anforderungen anzupassen, haben größere Unternehmen die Nase vorn. Sie haben nicht nur die Vorteile erkannt, sie sind schon aktiv oder haben zumindest konkrete Pläne.

Wie die veränderten Arbeitsbedingungen tatsächlich aussehen? Selbst wenn etwa die Gestaltung sogenannter Desk-Sharing-Arbeitsplätze für viele Unternehmen immer noch eine Herausforderung darstellt und sich häufig als verbesserungsdürftig erweist, ist es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis sich Unternehmen damit befassen müssen, wie sie Arbeitsplätze einrichten, die mehrere Personen, wie beispielsweise Teilzeitkräfte, nutzen können. Zur Gestaltung solcher Büros gehört nicht nur die Anpassung des Mobiliars an verschiedene Körpergrößen oder Gewichtsklassen oder die Abstimmung der Beleuchtung an die Sehleistung der verschiedenen Mitarbeiter. Hinzu kommt die Frage, wie sich Spielraum für eine individuelle Gestaltung schaffen lässt, damit Wohlbefinden und die daraus folgende verbesserte Produktivität zustande kommen.

Zusätzlich muss berücksichtigt werden, dass die Zahl der Freelancer oder die Personen mit Zeitverträgen, die ähnlich wie Selbstständige arbeiten, künftig zunehmen wird. Während bei Arbeitnehmern ein sicherer Arbeitsplatz, festes Einkommen und die Anerkennung durch den Vorgesetzten im Vordergrund stehen, zählen bei ihnen eher inhaltliche und oft auch weiche Faktoren wie etwa Spaß bei der Arbeit, Einflussnahme auf die Arbeitsabläufe oder die Möglichkeit der Mitsprache bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes. Unternehmen mit langweiligen Büros dürften es daher künftig deutlich schwerer haben, Spitzenkräfte anzulocken. Wie auch immer künftige Anforderungen an die Arbeitsplätze aussehen mögen: Unternehmen tun gut daran, sie soweit es nur geht zu berücksichtigen und zu erfüllen. Gesundheitsvorsorge sollte mehr denn je als betriebswirtschaftlicher Faktor gesehen werden. Damit leisten sie einen Beitrag dazu, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter so lang wie möglich zu erhalten. Und letztendlich bleiben damit auch die Betriebe selbst gesund. Denn für gesunde Bilanzen bedarf es eben einer fitten Belegschaft.
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